"Goldenes Herz" macht Sommerfest möglich

16 July 2019

Dank der Aktion unserer Zeitung feiert die MTV-Demenzgruppe erstmals mit Angehörigen und Freunden.

Barbara Benstem

Wolfsburg/VorsfeldeShantys, historische Tänze, ein leckeres Büfett und viel Gelegenheit für Gespräche, Lachen und auch Singen: Die Demenz-Gruppe des MTV feierte am Montag ihr erstes Sommerfest. Und so gut, wie es ankam, wird es sicherlich nicht das letzte gewesen sein. Zumal, erklärt Gruppenleiterin Sabine Mikolajek, ja durch die große Spendenaktion unserer Zeitung insgesamt 11.000 Euro zusammengekommen waren. Das "Goldene Herz" war im vergangenen Jahr dem Thema Demenzinitiativen und -gruppen gewidmet worden.

Das Mehrgenerationenhaus, der Ort, an dem sich jede Woche die Bewegungsgruppe vom MTV trifft, war auch der Ort fürs erste gemeinsame Fest, zu dem ausdrücklich auch die Familien der Betroffenen eingeladen waren.

Wie jede Woche beim Treffen widmete Trainerin Sabine Mikolajek die Begrüßung mit dem Willkommensritual den Gruppenteilnehmern. "Hallo, schaut alle her - jetzt geht's los!", so die Ansage inklusive Gestik und Mimik an ihre Runde. Zudem wurde jedes Gruppenmitglied mit Namen begrüßt. Sodann fasste die Trainerin, die zusammen mit Übungsleiterin Petra Bercht das Leiterinnen-Duo der Demenzgruppe bildet, die Entwicklung in den drei Jahren seit der Gruppengründung zusammen. Das Thema "Bewegen und Demenz" sei in Wolfsburg und der Umgebung inzwischen angekommen.

Das Duo Mikolajek/Bercht hatte die Ausbildung beim Niedersächsischen Behindertensportverband durchlaufen. "Für die Teilnahme an dieser Gruppe ist ja lediglich eine Verordnung des Arztes notwendig", so die Übungsleiterin mit Blick auf weitere, mögliche Neuzugänge. Kostenträger sind die Krankenkassen. Vier ehrenamtliche Helferinnen unterstützen das Trainerinnen-Duo im Mehrgenerationenhaus mittlerweile.

Fabian Vandrey vom MTV Vorsfelde dankte Teilnehmern und Angehörigen für den Mut, mit dem Thema Demenz an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Zahlen sprächen für sich, die Erkrankungen nähmen stetig zu, Demenz und Alzheimer seien als gesamtgesellschaftliche Herausforderung zu sehen. Dank richtete der Vertreter des MTV-Vorstandes auch an die beiden Trainerinnen, die mit viel Herzblut und Kompetenz die Gruppe betreuten und sich stetig fortbilden würden.

Stadträtin Iris Bothe freute sich, dass die Gruppe seinerzeit im Mehrgenerationenhaus angesiedelt wurde. "Sie gehört hierher, in diese Umgebung mit Einkaufszentrum und Caf ." Demenz und Alzheimer seien ein Thema der Gesellschaft, das sichtbar bleiben und nicht ausgegrenzt werden dürfe. "Auf den Angehörigen lastet eine riesige Aufgabe. Sie müssen sich nicht nur von dem Partner verabschieden. Ihr Wirkungskreis wird auch immer kleiner, weil vieles nicht mehr möglich ist. Umso wichtiger ist es, dass sich Angehörige untereinander austauschen können." Zu ihren Kindheitserinnerungen zähle ihre an Alzheimer erkrankte Großmutter, schilderte die Stadträtin. Es sei für sie prägend gewesen, die verschiedenen Stufen des Erkrankungsverlaufes mitzuerleben.

Großen Dank sprach die Vertreterin der Stadt der Aktion "Das Goldene Herz" aus, die das Sommerfest für Betroffene und Familien möglich mache.

Von den gut 11.000 Euro sind bereits neue Stühle, die auch als Sportgeräte genutzt werden können, bestellt worden.

Armin Maus, Chefredakteur unserer Zeitung, freute sich, "am besonderen Tag dabei sein zu dürfen". Dem MTV, der sich des Themas Bewegung und Demenz angenommen habe, sei großer Dank zu zollen. "Die Entwicklung der Teilnehmerzahlen der Gruppe zeigt, dass dieser Weg richtig und wichtig ist. Ich möchte außerdem all unseren Lesern danken, die diese große Spendenbereitschaft gezeigt haben." In der ganzen Region waren Demenzgruppen mit den unterschiedlichsten Ansätzen Spendenempfänger der Aktion "Das Goldene Herz" gewesen.

Shantys und historische Tänze warteten dann im Unterhaltungsprogramm auf die Gruppenteilnehmer und ihre Gäste. Sogleich wippten etliche Füße mit, es wurde mitgeschmettert und mitgeklatscht, als die Drömlingsänger unter der Leitung von Eckhard Krone maritime Stimmung in den Saal holten.

Großen Applaus gab es auch für Schieber, Rheinländer und Polka, als Velstoves historische Tänzer, trainiert von Gisela und Paul Koesling auf die Bühne gingen und zeigten, wie man dazumal in Tracht das Tanzbein schwang.

"Das ist eine rundum gelungene Sache. Uns gefällt es sehr gut", freute sich Familie Fieting, die mit Gruppenteilnehmer Rolf, Ehefrau Lilo und Tochter Natascha das Sommerfest mitfeierte. "Man kommt ins Gespräch, kann sich austauschen, sich gegenseitig Tipps geben", schildert Lilo Fieting. "Es macht zwar ohnehin schon den Charakter der Gruppe aus, dass man sich, wenn die Angehörigen in der Trainingsstunde sind, auch mal auf einen Kaffee trifft und erzählt. Aber heute ist einfach die Stimmung noch schöner. Jeder ist dem anderen zugewandt, es gibt viele gute Gespräche, man lacht miteinander."

Marion Menzel, deren Vater Heinz Matzke regelmäßig an der Gruppe teilnimmt, freute sich ebenfalls über eine gelungene Veranstaltung. Die junge Frau begleitete ihren Vater gemeinsam mit ihrer Mutter Walburga Matzke. "Mein Vater geht ohnehin sehr gern in die Gruppe und freut sich jedes Mal schon darauf", schildert Marion Menzel.

In der Gästeschar fand sich zudem Ursula Sandvoß. Die Chefin des Stadtsportbundes hatte die Gruppe einst initiiert und zeigte sich durch die Bilanz nach den ersten drei Jahren bestätigt. "Jetzt versuche ich, dass sich stadtweit noch eine weitere Gruppe gründet. Das ist allerdings nicht so einfach, weil es spezielle Übungsleiter sein müssen. Und die sind sehr rar. Ich hoffe sehr, dass sich noch weitere Trainer finden. Denn es gibt ja immer mehr Betroffene, und dass Bewegung bei Demenz und Alzheimer eine große Hilfe ist, ist mittlerweile unumstritten."

Die Ausbildung läuft über den Behindertensportverband, der seinen Sitz in Hannover bei der Landesakademie des Sportes hat.

Und wie geht es bei der MTV-Demenzgruppe weiter? Nach dem Sommerfest ist vor dem Sommerfest könnte die Maxime lauten. In jedem Fall sei der Weg, die Angehörigen so stark wie möglich in Aktivitäten einzubeziehen, der richtige, sind sich die Übungsleiterinnen sicher. Gerade weil die Belastung für die Familien riesig sei, seien Austausch, Kommunikation und auch mal lachen können extrem wichtig.

 

Wolfsburger Nachrichten - 9. Juli 2019 - Vorsfelde - Seite 14

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