Daniel Heimann: So tickt Vorsfeldes Coach

25 July 2019

Dass er mit Handball angefangen hat, verheimlichte der heute 38-Jährige seinen Eltern ein halbes Jahr.

Kilian Symalla

VorsfeldeDen Start seiner Handballkarriere nahm er selbst in die Hand: Fast ein Vierteljahr besuchte Daniel Heimann als Junior das Handballtraining, ohne seine Eltern zu informieren. Die Eigeninitiative zahlte sich aus. Als Spieler war Heimann beim VfB Fallersleben erfolgreich, als Coach ist er heute tätig bei Oberligist MTV Vorsfelde. Dort hat sich der 38-Jährige in seinem ersten Jahr viel Respekt erarbeitet.

Die Sportlaufbahn Heimanns begann ganz früh. Noch vor der Einschulung schloss er sich dem Fußballteam seines Heimatorts Klötze an. "Wir hatten weniger Optionen, Videospiele gab es noch nicht. Da haben wir uns sportlich ausprobiert", berichtet er. Im ersten Grundschuljahr landete Heimann beim Handball. Fast drei Monate ging er ohne das Wissen seiner Eltern zum Training. "Irgendwann mussten wir uns Nummern auf die Trikots nähen lassen. Darum habe ich meine Mutter bitten müssen", sagt Heimann, dessen Eltern auch den zweiten Sport ihres Sohnes unterstützten. Heimann war fortan auch Handballer.

Als Sport Nummer 1 etablierte sich der Handball, als Heimann im Fußball weniger Einsatzzeit erhielt. "Ich habe eine Altersklasse höher gespielt und kam weniger zum Zuge. Das hat mir überhaupt nicht gefallen, ich wollte spielen", erzählt er. Mit elf Jahren lag der Fokus auf Handball. Und es zeichnete sich ab, dass die Entscheidung pro Handball eine gute gewesen ist. Als er 13 war, interessierte sich der SC Magdeburg für ihn. "Ich durfte an einer Sichtung teilnehmen", berichtet der heutige Vorsfelder Coach. Doch der finanzielle Aufwand, der mit einem Internatsaufenthalt in Magdeburg verbunden gewesen wäre, war zu groß. Heimann blieb in Klötze, spielte schon mit 17 im Männerteam - damals noch teilweise im Tor: "Ich habe eine Halbzeit als Torhüter, eine Halbzeit als Feldspieler agiert", erklärt er.

Nach der Ausbildung zum Bankkaufmann verpflichtete sich der heute 38-Jährige 2000 für vier Jahre bei der Bundeswehr. Dort erhielt er mit 22 Jahren seine C-Trainer-Lizenz. Heimann wurde "Fachsportleiter Handball". 2003 entstand der Kontakt zum VfB Fallersleben. Mit Christian Schulenburg heuerte ein ehemaliger Teamkollege in der Hoffmannstadt an. Heimann folgte ihm und stieg unter Norbert Ermisch beim VfB ein. Mit Mike Schmidt hatten die Fallersleber in den 2000er Jahren einen ambitionierten Sponsor. "Wir hatten einige namhafte Spieler beim VfB und waren über Jahre hinweg Landesliga-Spitze", erinnert sich Heimann. Bis 2012 spielte der heutige Coach in Fallersleben. Dann musste er den körperlichen Strapazen bei der Bundeswehr und im Handball Tribut zollen. "Ich habe gemerkt, dass der Körper nicht mehr so mitmacht wie früher und mich umorientiert", sagt Heimann.

Das Interesse für die Trainerarbeit wuchs. Heimann brachte sich erst in Klötze, dann beim HV Solpke/Mieste ein. Den HV rettete der Trainerneuling 2014 vorm Abstieg. Als Heimann Ende Dezember 2013 übernahm, war Solpke/Mieste Schlusslicht, am Saisonende stand das Team auf einem einstelligen Tabellenplatz. 2014 machte er die B-Lizenz und stieg parallel beim niedersächsischen Handballverband in der Jugendarbeit ein. Heimann wurde Auswahltrainer des HVN. "Ich war jedes Wochenende unterwegs. Die Zeit war sehr intensiv", berichtet der Coach. Von 2015 bis 2018 trainierte er die Männer des HSV Warberg/Lelm. Dann ging es nach Vorsfelde. In seiner ersten Saison führte Heimann den MTV zur Vizemeisterschaft in der Oberliga. Das mittelfristige Ziel: 3. Liga. "Es ist so viel in Bewegung beim MTV. Der Verein entwickelt sich sportlich, strukturell und wirtschaftlich weiter", erklärt Heimann.

Der jüngste Coup war die Rückkehr von Ex-Coach Jürgen Thiele als Co-Trainer. Heimann und Thiele arbeiten eng zusammen. "Wir tauschen uns intensiv aus. Die Gespräche mit Jürgen sind sehr produktiv, sein Erfahrungsschatz riesig. Das hilft mir", betont Heimann. Thiele ist voll des Lobes für seinen Kollegen. "Daniel arbeitet sehr akribisch, saugt alle Informationen und Anregungen auf. Er ist ein Handballverrückter." Fachlich ist Heimann erstklassig. Über die A-Lizenz hinaus hat der Trainer die Mastercoach-Ausbildung abgeschlossen, könnte also auch internationale Spitzenteams trainieren. Doch erstmal will er den MTV zur Nummer 1 der Oberliga machen. Das werde schwer genug, betont Heimann: "Wir spielen in der stärksten Oberliga seit Jahren." Das ist jedoch eher Ansporn als Hindernis für Heimann. Thiele sagt: "Daniel will immer besser werden und sein Team stärker machen. Er braucht die Herausforderung." Die Reise des 38-jährigen Mastercoaches durch die Handballwelt dürfte gerade erst angefangen haben.

Wolfsburger Nachrichten - 25. Juli 2019 - Lokalsport Wolfsburg - Seite 26

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