Rückkehr-Plan & Impfstoff

12 May 2020

“Eigentlich hilft nur ein Impfstoff“

Heimische Handballer über den Rückkehr-Plan

Erst allein, dann zusammen und schließlich wieder als Mannschaft vor Zuschauern: Der Deutsche Handballbund (DHB) hat seinen Landesverbänden ein Positionspapier zur Wiederaufnahme des Amateursports übermittelt. Ein Leitfaden, den auch die Verantwortlichen der Wolfsburger Top-Klubs diskutieren.

Im Positionspapier „Return to play“ geht es darum, wie Trainingsprozesse in den verschiedenen Stufen mit Blick auf Hygiene- und Schutzmaßnahmen organisiert werden. Nach autonomen und individuellem Training mit Partner (oder Anleitung durch einen Trainer), ist der Plan derzeit bei Stufe drei (Kleingruppen-Training outdoor (ohne Zweikämpfe) von acht angelagt.

Der Acht-Stufen-Plan, für Uwe Wacker, Sportlicher Leiter beim Oberliga-Neuling VfB Fallersleben, ist er „eine gute Geschichte. Er bietet eine Orientierung, die einen zurück zur Normalität führen soll.“ Aber wichtig seien in erste Linie die Entscheidungen der Politik. „Wie gehen die Lockerungen weiter?“

Im Positionspapier sind für die jeweiligen Stufen auch Starttermine hinterlegt. Diese sind jedoch abhängig von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie. Stufe vier, die Rückkehr in die Halle für Kleingruppentraining (ohne Zweikämpfe), ist für den 18. Mai terminiert. Das erscheint utopisch. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Wacker. André Frerichs stimmt ihm zu. Der Manager des Oberligisten MTV Vorsfelde betont: „Kontaktloses Training hilft letztlich auch nicht. Wenn du dich in der Halle verteilst, der nächste ein paar Meter von der weg steht, dann hat das mit Handball nichts zu tun.“

Ob sich die Hallen zeitnah öffnen, ist für die beiden Männer-Oberligisten auch nicht entscheidend. Nach dem Saisonabbruch haben sich der VfB und der MTV in die Sommerpause verabschiedet, die Trainingsstarts stehen in Fallersleben und Vorsfelde für Anfang Juli an.

Anders sieht das bei Frauen-Oberligist VfL Wolfsburg aus. „Wir hoffen, dass wir die Möglichkeit bekommen, uns so schnell wie möglich zu sehen“, sagt VfL-Trainer Oliver Bült. Das Team befindet sich im Umbruch, müsse sich kennenlernen und einspielen. Das Positionspapier des DHB – Bült findet es gut, „dass man sich Gedanken macht und step by step vorgehen möchte“. Kondition, Koordination, all das sei gut, um wieder reinzukommen. Aber: „Handball lebt auch davon, dass man sich am Trikot zieht, aus der Luft holt, zusammen Schweiß verliert“, so Bült Möglich wäre das ab Stufe sechs (Mannschaftstraining mit Zweikämpfen).

Nicht zu vergessen: „Auch die Zuschauer sind wichtig“, sagt Bült. Die sind in Stufe acht vorgesehen. Spielbetrieb mit Publikum heißt es da. Terminiert für den 1. September. Auch bei diesem Datum sind Wacker, Frerichs und Bült skeptisch. „Man muss abwarten, wie sich die Ansteckungszahlen entwickeln“, weiß Frerichs. Bült sagt: „Der Acht-Stufen-Plan verhindert ja nicht, dass man von Stufe vier wieder auf die Null zurückfallen kann.“ Der VfL-Trainer weiter: „Man muss ehrlich sein und sagen, dass einer Vollkontaktsportart eigentlich nur ein Medikament, ein Impfstoff helfen kann.“

MTV
WAZ, Seite 25, 12.05.2020

Share

Kontakt zur Sparte