Corona-Alarm im Flieger: Scoccimarro in Quarantäne

23 March 2020

Corona-Alarm im Flieger: Scoccimarro in Quarantäne

Judo: Rückkehr von Lanzarote – Olympia-Starterin aus Lessien froh, „wieder vor Ort sein“

Ein Corona-Verdachtsfall in einem Ferienflieger aus Lanzarote hat am Flughafen Hannover für einen mehrstündigen Einsatz von Feuerwehr, Gesundheitsamt und Polizei gesorgt, nachdem die Maschine in der Nacht auf Samstag gelandet war. Mittendrin im Flieger: die Lessienerin Giovanna Scoccimarro. Das Judo-Ass des MTV Vorsfelde kehrte vom Olympia-Trainingslager heim. Jetzt sitzt sie zur Vorsicht in Heim-Quarantäne.

Training auf dem Balkon

Ursprünglich sollte es am 14. März zurück nach Deutschland gehen. Doch es kam anders: „Das Trainingslager wurde verlängert, weil die Lage auf Lanzarote viel besser war als in Deutschland“, berichtet Scoccimarro.

Doch in der Folge durfte die Lessienerin das Sporthotel Club La Santa nicht mehr verlassen. Es wurde improvisiert, auch auf dem Balkon trainiert. Dann ging es am 20. März in den Flieger Richtung Hannover.

In dem sitzt Wolfsburgs Sportlerin des Jahres. Um Mitternacht landet der Flieger in Niedersachsen. „Plötzlich stehen nach der Landung zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamts im Flieger“, berichtet die 22-Jährige. Ein Name wird aufgerufen. Die Person, die ihre Hand hebt, sitzt sieben Reihen vom MTV-Ass entfernt. Damit hat sie noch Glück im Unglück. Der Mann sowie die Passagiere neben ihm und in den drei Reihen vor und hinter ihm seien unter häusliche Quarantäne gestellt worden, teilte die Sprecherin der Region Hannover mit. Was Hoffnung macht: „Der Patient wies nach der Landung in Deutschland kein Fieber und auch keine starken Symptome auf“, sagte die Sprecherin.

Drei Stunden verbringt Scoccimarro noch auf dem Flughafen. Personalien werden aufgenommen, Verhaltensregeln mitgeteilt. Dann geht es ins Zuhause von Teamkollegin Pauline Starke. Dort verbringen sie in Hannover gemeinsam eine „indirekte Quarantäne. Ich mache es zum Schutz der anderen. Wenn ich innerhalb der zwei Wochen nichts hatte ist es gut - und wenn doch, kann ich niemanden anstecken. Ich muss jetzt morgens und abends Fieber messen, zudem auf die Symptome achten, die auf die Viruserkrankung hindeuten können“, berichtet Wolfsburgs Sportlerin des Jahres.

Der Quarantäne im Sporthotel auf Lanzarote folgt nun also die nächste in Deutschland. „Wir sollen natürlich so viele Kontakte wie möglich vermeiden, dürfen aber beispielsweise einkaufen. Darauf achten wir. Ich bin jedenfalls froh, wieder hier vor Ort zu sein“, sagt die Judoka.

Wie steht sie zum Thema Ausgangssperre für ganz Deutschland? „Ich halte sie für richtig, solange einige noch denken, dass sie draußen chillen können. Haus – Einkaufen – Haus. Oder Haus – Arbeit – Haus. Dabei sollte es zurzeit für alle bleiben.“

In Kürze soll es für sie Trainingspläne für zu Hause geben. Geplant seien zwei Einheiten am Tag. „Man kann an der Bauch-, Bein- und Rumpfstabilität arbeiten“, so Scoccimarro. Judotechnisch könne das Eindrehen geübt werden

Dass die Olympischen Spiele nur noch vier Monate entfernt sind, macht natürlich ihrem Sportlerherz sorgen. Die Szene kennt kein anderes Thema. Säbelfechter und Athleten-Aktivist Max Hartung hat für sich bereits einen Start bei den Olympischen Spielen in diesem Sommer ausgeschlossen. Mit diesem Schritt wolle er in der Diskussion um eine Verlegung der Sommerspiele ein Zeichen setzen.

„Ich habe es hart erkämpft“

Unter dem Druck der weltweit wachsenden Kritik steuert Thomas Bach um. Der IOC-Präsident ist von der Strategie des sturen Festhaltens an der planmäßigen Austragung der Tokio-Spiele abgerückt. Inzwischen hat der Chef des Internationalen Olympischen Komitees eingeräumt, auch verschiedene Szenarien in Betracht zu ziehen: Die Verschiebung der vom 24. Juli bis 9. August geplanten Spiele auf den Herbst, auf Sommer 2021 oder gar auf 2022. Am wahrscheinlichsten dürfte die Verlegung um ein Jahr sein. Einen Totalausfall schließe er aus.

„Auch wenn die Spiele verschoben werden oder ohne Zuschauer stattfinden – ich als Sportlerin würde sehr gern teilnehmen. Ich habe es mir hart erkämpft. Für die darauffolgenden Olympischen Spiele würde es wieder schwer werden, sich zu qualifizieren“, sagt Scoccimarro.

MTV
WAZ, Seite 20, 23.03.2020

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