Scoccimarro blickt nicht ohne Sorgen auf den „historischen Moment“

12 October 2020

Judo: Die Lessienerin steht auf der Meldeliste für den Grand Slam in Ungarn – Aber Budapest hat ein Corona-Problem

Vorsfelde

Lessien/Vorsfelde. Der Verzicht auf den Start bei der Team-DM am Sonntag – Judo-Ass Giovanna Scoccimarro steht hinter der Entscheidung ihres Bundesliga-Klubs JT Hannover. Die Lessienerin, die ihr Einzel-Startrecht für den MTV Vorsfelde hat, blickt nun auf den Grand Slam in Budapest (Ungarn) vom 23. bis 25. Oktober. Allerdings nicht ohne Sorgen.

Sicherheit geht vor

Keine DM-Teilnahme – darauf einigte sich der Frauen-Bundesligist JT Hannover in einer Besprechung hinsichtlich der Corona-Entwicklung und steigender Fallzahlen (AZ/WAZ berichtete). Auch für Scoccimarro geht die Sicherheit vor. Zwar hatte sie lange mit der Teilnahme bei der DM geliebäugelt, aber letztlich doch zu große Zweifel gehabt. „Es gibt zwar ein Hygiene-Konzept für Spremberg, aber ich möchte einen möglichen Start beim Grand Slam in Budapest nicht gefährden“, so die Lessienerin, die für Olympia nominiert war und ist. Was, wenn doch ein Corona-Fall bei der DM auftritt und dieser die 22-Jährige ausbremst? „Ich habe es mit dem Stützpunkt-Trainer abgesprochen. Wir wollen vermeiden, dass ich vor dem Grand Slam krank werde.“

Eine fiebrige Grippe hatte sie vergangene Woche bereits zu einer Pause gezwungen, alle Kontaktpersonen wurden sicherheitshalber aus dem Training genommen. Wichtig: Schnell war klar, dass es sich nicht um Corona handelt. „Ich wurde sofort getestet, auch ein zweiter Test verlief negativ“, so die Lessienerin, die Montag wieder mit dem Krafttraining eingestiegen ist.

In gut zwei Wochen steht der Wettkampf in Ungarn an, das Hygiene-Konzept steht, der Verband hat Scoccimarro gemeldet, sie selbst möchte „super gern kämpfen“. Doch ob sie startet, steht dennoch nicht fest. „Wenn ich es heute entscheiden müsste, könnte ich es nicht sagen“, so die Lessienerin gestern. Wie entwickelt sich die allgemeine Lage? Auch ein Gespräch mit dem Bundestrainer steht noch aus. Es bleiben schwierige Zeiten.

Denn laut der Weltgesundheitsorganisation gehört Ungarn zu den am stärksten gefährdeten Ländern. In Budapest liegen die Inzidenzen bei mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner auf sieben Tage, weshalb die Hauptstadt vom Auswärtigen Amt als Risikogebiet eingestuft wurde. Trotzdem standen gestern Abend 651 Teilnehmer von fünf Kontinenten und aus 81 Nationen auf der Meldeliste des Grand Slams, dessen Durchführung am Dienstag von der International Judo Federation (IJF) offiziell bestätigte wurde. IJF-Präsident Marius Vizer sagte angesichts der Rückkehr der World Judo Tour: „Es ist ein historischer Moment für das Weltjudo und für den Sport. Wir freuen uns auf die Organisation des Grand Slams gemäß den IJF-Vorschriften und unter strikter Einhaltung der globalen Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen.“

Hochklassiges Feld

Wenn Scoccimarro in Budapest startet – und auch alle bisher gemeldeten Athletinnen –, dann wartet ein hochklassiges Feld auf sie. Die Weltranglisten-Neunte aus Lessien ist in der Klasse bis 70 Kilogramm an Position 6 gesetzt, vor ihr stehen die Weltranglisten-Erste Marie Eve Gahie (Frankreich), Sanne van Dijke (3./Niederlande), Kim Polling (4./Niederlande), Michaela Polleres (5./Österreich) und Margaux Pinot (6./Frankreich).

 

Wolfsburger Allgemeine, Seite 32, 08.10.2020

 

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