Scoccimarro kämpft um WM-Nominierung

5 August 2019

Ein Jahr vor Olympia will Vorsfeldes Judo-Ass in Tokio seine Quali-Chance erhöhen.

Daniel Hotop

Vorsfelde Wäre heute Meldeschluss für die Olympischen Spiele in Tokio, dann wäre mit Giovanna Scoccimarro vom MTV Vorsfelde eine Wolfsburger Teilnehmerin dabei. Nur noch ein knappes Jahr ist es bis zu den Spielen 2020, doch gemeldet werden müssen die Judo-Asse nicht heute, sondern am 25. Mai 2020. Und doch ist Scoccimarros siebter Platz im Quali-Ranking für Tokio eine gute Nachricht: Die 21-Jährige ist in der Qualifikation gut dabei. Und sie bekommt noch in diesem Monat die Chance, einen weiteren, richtig großen Schritt zu machen. Denn Scoccimarro wurde als eine von zwei Deutschen in der Klasse bis 70 Kilogramm für die Weltmeisterschaften nominiert, die vom 25. August bis zum 1. September ebenfalls in Tokio stattfinden.

Das System, nach dem sich die Judoka für Olympia qualifizieren, ist etwas kompliziert: Bei jedem Turnier gibt es Punkte für die platzierten Sportler, diese Zähler fließen zum einen in die Weltrangliste ein. Für Olympia ist aber ein spezielles Ranking entscheidend, in dem die Punkte innerhalb des Quali-Zyklus eine stärkere Berücksichtigung finden.

Scoccimarro (1853 Punkte) muss hier zu den besten 18 Sportlerinnen weltweit gehören und noch dazu die beste Deutsche darunter sein. In der Weltrangliste steht sie so zwar einen Platz hinter ihrer wohl ärgsten Rivalin Miriam Butkereit. Was die Quali für 2020 betrifft, liegt sie aber vor der 25-Jährigen vom TSV Glinde (1485 Punkte). Die Vorsfelderin wäre als Siebte dieser Liste Stand heute bei Olympia dabei.

Noch ist es sogar ein Dreikampf um die eine nationale Position für Olympia, neben Scoccimarro und Butkereit darf auch Laura Vargas Koch noch hoffen. Die Berlinerin ist auch die zweite Deutsche, die bei der WM startet. DM-Gewinnerin Butkereit ist nicht einmal als Nachrückerin nominiert, was für eine Verletzung spricht. Vargas Koch, die Bronzemedaillengewinnerin von Rio, ist nach Punkten (815 Punkte) allerdings etwas hintendran.

Nach der WM kann das schon anders aussehen, denn hier gibt es die meisten Punkte einzuheimsen. 2000 bekommt der Sieger. Zum Vergleich: Als Scoccimarro zuletzt beim Grand Prix in Kanada erstmals bei den Frauen international ganz vorne landete, gab es 700 Zähler. Mit ihren Rivalinnen um den einen Platz für Tokio 2020 versteht sich Scoccimarro übrigens abseits der Matte gut. "Sie sind beide sehr sympathisch, ich komme mit ihnen gut klar", sagt die Juniorinnen-Weltmeisterin von 2017.

Wegen der WM-Vorbereitung war für Scoccimarro nicht mehr als eine Woche Italien-Urlaub drin, nun schwitzt das Judo-Ass des MTV trotz Werksferien schon wieder am Stützpunkt in Hannover. Dort lebt sie seit fast zwei Jahren. Bei Volkswagen in Hannover hat sie in diesem Sommer ihre Ausbildung mit guten 86 Prozent abgeschlossen, arbeitet jetzt auf einer Sportler-Stelle als Kauffrau für Büromanagement.

Um perfekt eingestellt in gerade einmal drei Wochen nach Tokio zu fliegen, geht's für Scoccimarro, die aus Ehra-Lessien im Landkreis Gifhorn kommt, in der kommenden Woche nach Tata bei Budapest. Danach wartet ein Lehrgang in Kienbaum. Bei der WM will sie dann natürlich so viele Punkte wie möglich einheimsen, um sich in der Quali-Liste zu behaupten und den Vorsprung auf die nationalen Konkurrentinnen auszubauen. Aus der Weltspitze hat sie schon gegen fast alle Konkurrentinnen gewonnen, nur an den starken Japanerinnen und den Französinnen biss sie sich bisher die Zähne aus. Scoccimarro sagt: "Wenn ich es schaffe, aus meinem Pool herauszukommen, würde ich mich echt freuen."

Wolfsburger Nachrichten - 3. August 2019 - Sport - Seite 27

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