Scoccimarro: Kein Start mehr in 2020?

20 August 2020

Vorsfelder Judo-Ass sagt Länderkampf ab.

Scoccimarro

Vorsfeldes Judo-Ass Giovanna Scoccimarro. Revierfoto imago

 

Daniel Hotop

Vorsfelde Im März, kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie, war die Hoffnung bei Giovanna Scoccimarro noch groß, dass die Olympischen Spiele in Tokio vielleicht doch stattfinden könnten und nicht verschoben werden müssten. Das Judo-Ass des MTV Vorsfelde hat schließlich lange Zeit richtig hart dafür gearbeitet, um sich diesen Traum erfüllen zu können. Dann wurden die Spiele auf den kommenden Sommer verschoben, gefährden will sie einen Start in der Klasse bis 70 Kilogramm nun auf keinen Fall – und sagt deshalb auch den Neustart in den Wettkampf ab. Eigentlich hätte sie am 27. August bei einem Länderkampf in Wien antreten sollen. Sogar eine Pressemitteilung hatte der deutsche Judo-Bund herausgegeben. Trotzdem sagte sie nun ab – und könnte in diesem Jahr ganz auf Wettkämpfe verzichten.

Scoccimarro, so sagt sie, ist dabei nicht die einzige Athletin, die sich um ihre Gesundheit sorgt und deshalb nicht mit nach Wien reisen wird. Auch wenn sie sagt: „Das Hygienekonzept fand ich gut.“ Vor der Anreise und vor Ort sollte es je einen Corona-Test geben – für die Judoka, deren Verband finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, ist das schon viel. Doch das Risiko einer Ansteckung ist Scoccimarro, die in Hannover trainiert und im dortigen Volkswagen-Werk arbeitet, zu groß.

Die 22-Jährige beschäftigt sich intensiv mit den warnenden Meldungen, die aus Ministerien und vom Robert-Koch-Institut herausgegeben werden und sieht die wieder ansteigenden Zahlen mit großer Sorge. „Wäre dieser Ländervergleich einige Wochen eher gekommen, als das Infektionsgeschehen geringer war, hätte ich wahrscheinlich zugesagt“, so das MTV-Ass. Für Scoccimarro ist es kein Widerspruch, dass sie in den vergangenen zwei Wochen im Trainingslager in Kienbaum war. Dort allerdings mit einer begrenzen Gruppe von Sportlerinnen und Sportlern.

In Österreichs Hauptstadt wäre sie mit Michaela Polleres auf eine Dauerrivalin getroffen, beide sind in den Top Ten der Weltrangliste zu finden. Den Vergleich scheut Scoccimarro dabei keineswegs, aber eben nicht unter den aktuellen Vorzeichen. Übrigens: Corona-bedingte Entscheidungen, wie der Verzicht auf den Länderkampf, wird für ihre Tokio-Nominierung keinen Einfluss haben. Ihr Ticket hatte sich Scoccimarro bereits vor dem weltweiten Ausbruch von Covid-19 so gut wie gesichert. Als in Deutschland fast alles heruntergefahren wurde, war die Wolfsburger Olympia-Hoffnung gerade auf Teneriffa im Trainingslager, der Rückflug in die Heimat verspätete sich als unmittelbare Pandemie-Folge. Und so glaubt die Vorsfelder Topkämpferin auch nicht, dass sie so schnell wieder zu einem Wettkampf antritt: „Für dieses Jahr rechne ich nicht mehr damit.“

 

Wolfsburger Nachrichten, Seite 28, 19.08.2020

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