Endlich wieder Sport unter freiem Himmel!

7 May 2020

Functional-Training: Erste Outdoor-Einheit auf dem Parkplatz des MTV-Centers Vorsfelde

 

Unter der Leitung von Benedikt Böhm absolvierten bei schönstem Sonnenschein 9 begeisterte Teilnehmer die erste Trainingseinheit im Freien!

MTV


Wer an den Kursen teilnehmen möchte, kann sich über unsere Internetseite anmelden:
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Endlich wieder Sport unter freiem Himmel!

Das Land hat die Corona-Beschränkungen gelockert. Vereine und Mitglieder nutzen gleich den ersten Tag.

Als hätte es irgendwer genau so geplant: Nach siebenwöchiger Zwangsschließung sämtlicher Sportanlagen wegen der Corona-Pandemie war der Mittwoch Tag eins der vom Land kurzfristig beschlossenen Lockerung für alle Outdoor-Sportarten. Klar, dass sich überall in Wolfsburg viele Sportvereine ins Zeug gelegt hatten, um ihren Mitgliedern nach der unfreiwilligen Pause wieder die Chance zu eröffnen, sich unter freiem Himmel breitensportlich zu betätigen. Und zwar bei schönstem Frühlingswetter mit viel Sonnenschein. Eine kleine Exkursion.

Schon von weitem ist vis-à-vis dem Herzbergstadion in Mörse am Mittwochnachmittag ein regelmäßiges Ploppen zu hören. Es kommt von den Tennisplätzen der Turn- und Sportgemeinschaft Mörse in der Letzlinger Straße. TSG-Vorsitzender Michael Voß nimmt uns am Tor in Empfang. „Unsere Tennisleute sind schon ganz heiß darauf, wieder zu spielen, denn das ist dank des besonderen Belags bei uns ja quasi ganzjährig möglich“, erzählt er. „Durch Corona sind die Tennisspieler im März daher ausgebremst worden.“ Denn bis dahin sei bei gutem Wetter schon gespielt worden.

„Auch wir sind ein klein wenig überrollt worden von der kurzfristigen Entscheidung des Landes“, merkt der TSG-Vorsitzende an. „Aber Tennisspartenleiter Henrik Ruess und sein Team hatten sich grundsätzlich schon darauf eingestellt, daher waren wir nicht völlig überrumpelt.“

Am Vereinsheim hat Anlagenwart Hansi Wochau eine Stelltafel mit Schildern zu Verhaltensregeln aufgebaut. Er ist auch für den Online-Auftritt des Vereins zuständig und berichtet: „Am Dienstag habe ich schon 20, 30 Mails von Mitgliedern beantwortet. Alle wollten wissen, wann sie loslegen können.“ Aktuell seien zwei Plätze belegt, „heute Abend aber schon sechs“.

Zwei, die das Freiluft-Vergnügen auf der idyllischen Anlage nach wochenlanger Zwangspause nutzen, sind Frank Eichhof und Reinhard Kutzke. „Heute spiele ich endlich das erste Mal draußen, bis Anfang März habe ich in der Halle gespielt. Es ist besser als gar nichts“, sagt Hobbyspieler Eichhof. „Nur der übliche Handschlag nach dem Spiel fällt weg, wie auch das Duschen und das Bier hier auf der Anlage.“ Denn im Vereinsheim sind nur die Toiletten geöffnet. Ohne so einen richtigen Start in die Saison sei es ganz schön anstrengend, erzählt Kutzke, der nur gelegentlich Tennis und sonst mehr Fußball spielt. „Aber ein Anruf, schon hatte ich den Platz für heute reserviert“, freut er sich.

Mit fest reservierten Spielzeiten operiert nun auch der Golfclub Wolfsburg/Boldecker Land. Nur eine von vielen Maßnahmen, um den Infektionsschutz auf der weitläufigen Vereinsanlage in Bokensdorf sicherzustellen. Die Zugänge zu den Abschlägen der Bahnen 1 und 10 – also zu den Startpunkten der jeweiligen Runden-Hälften – sind nun vorgegeben, dafür sind viele Meter Schnur gespannt worden. Starter wie Wolfgang Klöcker sorgen dafür, dass sich nur der jeweilige 2er-Flight – also das Spielteam – am Abschlag aufhält und pünktlich startet, Marshalls wie Mark Edge fahren herum, um den Spielbetrieb im Blick zu behalten.

Am Mittwochmittag haben sich Ingo Eismann und Mark Draber für eine halbe Runde eingefunden; sie sind in normalen Zeiten in der Mittwochsmänner-Spielgruppe dabei und gehören zur Truppe der ehemaligen VfL-Profis. „Gottseidank geht es wieder los, das ist jetzt ein verspäteter Saisonstart“, sagt Eismann und freut sich: „Das Wetter passt wunderbar.“ „Ich hab’ zu Hause trotz der Sperrung durchgespielt“, erzählt Draber und verrät seinen Trick: Er habe im Garten eine Vorrichtung aufgebaut, um die Bälle dagegenschlagen zu können. „Aber eigentlich ist es schon ein Kaltstart in die Saison.“

„Seit drei Wochen haben wir uns auf die Wiedereröffnung vorbereitet“, erklärt Golfclub-Präsident Norbert Preine. Er findet es daher „etwas traurig“, dass die Ankündigung des Landes so kurzfristig kam. Trotzdem hätten sich Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer ins Zeug gelegt, um den Mitgliedern den verspäteten Start in die offizielle Saison zu ermöglichen. Denn grundsätzlich kann auf der Anlage ganzjährig gespielt werden; doch so richtig los geht es üblicherweise Anfang April, wenn der Winter vorbei ist.

Nun also erst Anfang Mai. Und quasi mit halber Kraft – gleich in doppelter Hinsicht: Vorerst dürfen maximal zwei Spieler zusammen starten statt sonst bis zu vier, und es dürfen nur 9 Loch gespielt werden, eine halbe Runde. Auch sind aktuell keine Spieler von außerhalb erlaubt: „Wir wollen, dass unsere Mitglieder erstmal Vorrang haben“, sagt Preine. Zügig geklärt werden soll, unter welchen Umständen die Übungsanlagen wieder geöffnet werden. Zumal es just eine neue Golfschule auf der Anlage gibt. Immerhin: Neben Bahn 1 ist ein kleines Übungsgrün geöffnet. Vorstandsmitglied Karl-Heinz Schrock zeigt, warum der Ball nicht ins Loch fällt, damit der Fahnenstock nicht berührt werden muss: Ein gewölbter Plastikeinsatz verhindert das Einlochen.

„Letzter Start auf unserem Platz war am 17. März“, erinnert sich Pressewart Dietrich Altenkirch von der Modellflugsparte des Aero-Clubs Wolfsburg. Er ist mit zwei Modellen am Mittwochmorgen auf den Flugplatz im Norden von Sülfeld gefahren. Es sind ganz bewusst handliche Flieger. „Bei einem großen Flugmodell ist Hilfe von einem zweiten Mitglied nötig – da müsste dann jetzt Maske getragen werden“, erläutert er. Das Flugbuch, in dem alle Starts und Landungen dokumentiert werden, müsse nun regelmäßig desinfiziert werden. „Ansonsten ist das bei uns eher unproblematisch. Wir haben hier eh immer viel Abstand“, sagt Altenkirch und blickt übers großflächige Gelände..

Die Stadt habe am Dienstag eine Rundmail an alle Sportvereine geschickt. „Daraufhin haben wir uns als Vorstand kurzfristig abgestimmt“, berichtet Wolfgang Möllenstädt. der seit 1986 Spartenleiter war und sein Amt im Januar abgegeben hat. Er ist nun Stellvertreter seines Nachfolgers Sven Petratschek. Der wiederum hat gleich am Morgen Hinweiszettel in Sachen Corona aufgehängt, damit alle Mitglieder informiert sind.

Eine Sonderstellung hatten in den vergangenen Wochen die Reitvereine. Weil die Pferde Bewegung brauchen, durften die Tiere unter strengen Auflagen trotz Schließung der Vereinsanlagen geritten werden. Daher sind auch am Mittwoch Reiter auf dem Platz des Reit- und Fahrvereins Wolfsburg. Neu ist aber: Nun darf auch der Unterrichtsbetrieb wieder starten. „Es ist vorgesehen, dass wir in Kleinstgruppen wieder Reitunterricht anbieten“, sagt Pressewartin Martina Düvel, kann aber noch keinen Termin nennen. Alles wird ohnehin noch nicht wieder gleich möglich sein, erklärt sie: „Ich bin Voltigier-Trainerin. Das geht aktuell nicht.“

Viele andere Wolfsburger Vereine haben am Mittwoch nach dem vorläufigen Beschluss des Landes Niedersachsen ebenfalls bereits ihre Anlagen für den Freizeitsport geöffnet. Andere Sportvereine benötigen noch etwas Vorlauf, um die Vorschriften zum Einhalten der Hygiene- und Abstandsregeln praktisch umzusetzen. Und wieder andere wollen zunächst schlüssige Konzepte sehen, wie sich der Infektionsschutz je nach Sportart tatsächlich sicherstellen lässt.

WN, Seite 14, 07.05.2020

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