Ein Gedicht zum Thema Sport

9 January 2009

Das Gedicht "Ruf zum Sport" von Joachim Ringelnatz, erschienen im Jahr 1926 in der Zeitschrift "Simplicissimus" ist eines der wenigen Gedichte zum Thema Sport.

Bereits damals beschreibt Ringelnatz in diesem Gedicht die positiven Auswirkungen des Sporttreibens, vor allem im Vereinsrahmen, die heute aktueller sind denn je.

 

Ruf zum Sport

 

Auf ihr steifen und verdorrten
Leute aus Büros,
Reißt euch mal zum Wintersporten
Von den Öfen los.


Bleiches Volk an Wirtshaustischen,
Stellt die Gläser fort.
Widme dich dem freien, frischen,
Frohen Wintersport.

 

Denn er führt ins lodenfreie
Gletscherfexlertum
Und bedeckt uns nach der Reihe
All mit Schnee und Ruhm.

Doch nicht nur der Sport im Winter,
Jeder Sport ist plus,
Und mit etwas Geist dahinter
Wird er zum Genuss.

Sport macht Schwache selbstbewusster,
Dicke dünn, und macht
Dünne hinterher robuster,
Gleichsam über Nacht.

 

Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine,
Kürzt die öde Zeit,
Und er schützt uns durch Vereine
Vor der Einsamkeit.

 

Nimmt den Lungen die verbrauchte
Luft, gibt Appetit;
Was uns wieder ins verrauchte
Treue Wirtshaus zieht.

Wo man dann die sporttrainierten
Muskeln trotzig hebt
Und fortan in illustrierten
Blättern weiterlebt.

 

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

vom  6. Dezember 1926

erschienen in der Zeitschrift "Simplicissimus"

 

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